St. Maria
Ziegelstraße, 73033 Göppingen
1877 wird St. Maria eine selbstständige Gemeinde. Erster
Stadtpfarrer wird Michael Munz bis 1887. Von 1887 bis Dezember 1910 ist
Paul Moser der zweite Stadtpfarrer. In dieser Zeit wird die Wirtschaft
"Germania" erworben. Heute ist es das Altenheim St. Martinus.
1912
wurde die Kirche zum ersten Mal renoviert. 1917 mussten drei der vier
Glocken abgeliefert werden, die durch Spenden wieder beschafft wurden.
1925 wird die erste Orgel umgebaut. Von 1931 bis 1941 wird die Kirche
umgebaut und erweitert. 1945 treffen drei Brandbomben die Marienkirche.
1959 wird die Empore der Marienkirche erweitert und begradigt. 1960
wird der Kirchenraum restauriert und die Unterkirche ausgebaut. 1964
ist die Grundsteinlegung zum neuen Turm von St. Maria mit gleichzeitger
Weihe von drei neuen Glocken. 1968/1969 wird der Chorraum umgestaltet.
1995 Umbau der Empore und Einbau der historischen Walcker-Orgel.
Im
Jahr 2000 fasste der Kirchengemeinderat den Beschluss, die Kirche zu
renovieren. Am 20. Juli 2007 war die Altarweihe durch Weihbischof
Kreidler. Einen kurzen Überblick über die Renovation können Sie sich
als
PDF-Datei oder Powerpoint-Datei ansehen.
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| St. Maria 1869 |
St. Maria heute |
Lithographie |
Das Grab von Dechant
Lorenz im Hof der Marienkirche
Alois
Lorenz wurde am 29.6.1877 in Mohren, Kreis Hohenelbe, im Riesengebirge
geboren. Es war sein großer Wunsch und wohl auch seine Berufung,
Priester zu werden. So wurde er am 25.7.1902 nach langem Studium und
Gebet, in der Bischofsstadt Königgrätz zum Priester geweiht.. Nach
Jahren als Vikar in verschiedenen Pfarreien tätig, kam er am 1.3.1906
als 2. Kaplan nach Landskron (Schönhengstgau, Sudetenland). Ab 1.4.1915
war er Administrator in Triebitz, danach bis 30.9.1916 Administrator in
Lukau. Im Mai 1916 bestand er die Pfarrprüfung in Königgrätz und war
bis 30. September 1926 Pfarrer in Lukau. Danach war er zwei Jahre
Pfarrer in Ober-Wernersdorf. Am 1. Oktober 1928 wurde er unter dem
Patronat des Fürsten Johann von und zu Liechtenstein zum Dechant von
Landskron ernannt. Um 1939 bzw. 1941 wurde Dechant Lorenz Bischöflicher
Bezirksvikar im deutschen Teil der Diözese, unter Generalvikar
Monsignore Richard Popp, Erzdechant in Trautenau.

Die große
Wenzelskirche in Landskron war die Dechanatskirche. Es gab noch zwei
weitere Kirchen in der Kreisstadt Landskron: die St. Annakirche die die
Magdalenenkirche. Auch manche umliegenden Ortschaften wurden von
Landskron aus betreut. Als treue seelsorgerliche Helfer hatte Dechant
Lorenz zwei Kapläne zur Seite. Nach segensreichen, priesterlichen
Jahren in Landskron kam 1946 die Vertreibung der vielen Millionen
Deutschen aus der Heimat. Am 17. Juli 1946 wurde auch Dechant Lorenz in
das Lager in Landskron eingewiesen. Eine Woche später, am Donnerstag,
dem 25. Juli, ging dann der letzte Transport in die Amerikanische Zone.
Der lange Transport in Viehwaggons fuhr über Prag - Pilsen - Furth im
Walde - Regensburg - München - Ulm mit Endstation Göppingen. Der
Vertriebenen-Transport kam nach drei Tagen Fahrt am Sonntag, dem 28.
Juli 1946, im Güterbahnhof in Göppingen, nahe der Josefskirche, an.
Die
Vertriebenen wurden in verschiedene Lager aufgeteilt: zu Firma Märklin,
Handelsschule, Gasthaus Waldhorn, Kindergarten Hohenstaufenstraße sowie
andere Häuser. Am 4. August 1946 meldete Stadtpfarrer Wäschle die
Ankunft von Dechant Lorenz an das Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg
weiter. Er war 69 Jahre und als Pensionär eingetragen. Da er in der
Nähe der Marienkirche wohnte, war es Stadtpfarrer Wäschle angenehm,
wenn er manchmal an Werktagen die Spätmesse übernahm. Auch spendete der
Pensionär öfters im Beichtstuhl das Bußsakrament. Bekannt ist noch,
dass er auch zwei Hochzeiten einsegnete.
Nach etwa drei Jahren
machten sich bei ihm ernsthafte Beschwerden bemerkbar. Er kam zur
Behandlung ins damalige Flak-Lazarett im Bodenfeld (heute Ort der
Bereitschaftspolizei). Stadtpfarrer Wäschle hat ihn öfters besucht. Die
Beschwerden wurden immer stärker und am 4. März 1950 ist er dann
verstorben.
Wie man später vernahm, war es der Wunsch von
Dechant Lorenz, bei der Marienkirche beerdigt zu werden. Es bestand
nach erst vier Jahren seit der Vertreibung bei vielen noch die
Hoffnung, wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Aus diesem
Grunde war im weißen Holzsarg innen noch ein Zinksarg. Auch wurde das
Grab ausgemauert und mit ehemaligen Altarplatten verkleidet. So hätte
bei einer Rückkehr nach Landskron der Sarg mitgenommen werden können.
Etwas schwieriger war es, die Genehmigung für das Grab im Kirchhof zu
bekommen. Der damalige Friedhofsverwalter von Göppinge, Herr Hauser,
und sein Mitarbeiter, Herr Herbst, konnten aus ihrer Sicht die
Genehmigung dafür nicht erteilen. Sie verwiesen an die Landesregierung
in Stuttgart. Stadtpfarrer Gregor Wäschle, der früher auch Jura
studierte, nahm sich der Sache an und setzte sich mit der
Landesregierung in Verbindung. Die gewünschte Genehmigung für das Grab
bei der Marienkirche wurde ihm erteilt.
Die Beerdigung von
Dechant Lorenz war am Mittwoch, dem 8. März 1950. Unter großer
Beteiligung von Landsleuten und Angehörigen der St. Marien-Gemeinde
sowie zahlreicher Priester zelebrierte Stadtpfarrer Wäschle das
feierliche Requiem. Der geschlossene Sarg mit der sterblichen Hülle war
während des Requiems im Altarraum aufgestellt. Anschließend wurde der
Sarg zu Grabe getragen.

Nach einiger Zeit wurde von einem
Kunstschmied aus Rechberghausen, Herr Böhnel, ein eisengeschmiedetes
Kreuz mit vier Bildreliefs angefertigt. Die Bilder zeigen: die
Vertreibung, das tätige Volk bei der Heiligen Messe, die Jünger im
Garten Gethsemani mit der Aufforderung "Wachet und betet" und
schließlich der Ostertag "Die Auferstehung Christi".
Herr Franz
Leischner, Schneidermeister aus Landskron, sammelte bei den Landsleuten
für dieses schöne Kreuz. Es wurde somit von den Heimatvertriebenen
finanziert. Als nach dem Konzil der Altarraum der Marienkirche
umgestaltet und somit die Kommunionbank entfernt wurde, kamen die
schönen Eisengitter der Kommunionbank auf Wunsch von Stadtpfarrer Eugen
Schmidt als Einfassung zum Grab.

Die Familie Zorn aus
Rechberghausen, Landsleute von Dechant Lorenz, sorgen für die
Bepflanzung des Grabes. Göppingen ist die Patenstadt der Schönhengster.
Alle zwei Jahre wird das Heimattreffen hier veranstaltet. Vom
Schönhengster Heimatbund wird jedesmal ein Kranz oder eine Blumenschale
ans Grab gestellt. Die Heimatvertriebenen aus dem Schönhengstgau
gedenken beim Besuch des Grabes in Liee ihres ehemaligen Dechant Alois
Lorenz.
Eduard Klement aus Olbersdorf (Kohling), jetzt Eislingen